Er war bis 2006 in der rechtsextremen Szene unterwegs und hatte uns Einblicke in sein damaliges Leben gegeben. Als Ostdeutscher hat Herr Bauer in der damaligen DDR gelebt, wo es zu der Zeit ein Trend war, „rechts“ zu sein. Zudem herrschte große Unzufriedenheit in der DDR, wodurch es immer mehr „rechte“ Gruppierungen gab. Manuel Bauer war Kameradschaftsführer und Gründer der Wehrsportsgruppe „Racheakt“ und der Ausbildungstruppe „Bund Arischer Kämpfer“.
Er und seine Kameraden waren sogenannte Neonazis, da sie lange Zeit nach Ende der NS-Diktatur weiter die Ideologie von Adolf Hitler verfolgen. Herr Bauer hat uns von der Rassentheorie erzählt, die er und seine Freunde damals fest verfolgt hatten. Diese rechtfertigt Gewalt, Ausgrenzung und Verfolgung von Menschen mit anderer Hautfarbe, Kultur und anderem Glauben.
In seinem früheren Leben hatte er diese Menschen wie Dreck behandelt und ihnen so viel Leid zugefügt, nur weil sie „anders“ als er waren. Das schlimmste war, dass es für ihn und seine Kameraden praktisch zum Alltag gehört hat und es ganz normal war, Menschen zu quälen. Herr Bauer hat uns erklärt, wie unmenschlich und skrupellos er und seine Gruppe waren. Sie schreckten vor nichts zurück und behandelten Menschen mit Migrationshintergrund wie einen Virus, der sich nicht weiter ausbreiten darf. Daher vergriffen sie sich oft an deren Kindern. Herrn Bauers Alltag war geprägt von Rassismus, Antisemitismus und Gewalt.
Es folgten drei Jahre Gefängnis, bis er 2005 endlich den Ausstieg aus der Szene mit der Hilfe von „Exit Deutschland“ findet. Nach langen Jahren Resozialisierung, wird er zu dem Mensch, der er heute ist. Er hat selbst gesagt, ER kann sich ändern, aber nicht das, was er getan hat.
Sein Vortrag hat uns Schüler schockiert und uns emotional sehr berührt. Seine Erzählungen waren sehr detailliert, spannend und machten uns fassungslos. Es war außerdem interessant Einblicke in die Gedanken eines Neonazis zu bekommen. Viele seiner Taten waren allerdings so grausam, dass wir seinen Antrieb dazu überhaupt nicht nachempfinden konnten. Wir fanden es gut, dass er auch so viel von seinem jetzigen Privatleben erzählt hat und wie er mit seiner Vergangenheit umgeht. Außerdem hat er ein Buch veröffentlicht, mit dem Titel „Unter Staatsfeinden“, was uns sehr überrascht hat, dass er so offen mit diesem Thema umgeht. Von seiner Veränderung und der Rückkehr in die Gesellschaft sind wir beeindruckt. Allerdings stellten wir uns die Frage: „Kann man ihm vergeben“?
Arne Martinowsky, 9a
