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Aktuelles aus dem VGL

Griechische Partnerschule des VGL zu Gast

Nach dem Besuch des Leistungskurses Geschichte 11 des Veldenz Gymnasiums Lauterecken in Athen im März 2025 stand nun vom 03. bis 08. November 2025 der Gegenbesuch der griechischen Partnerschule aus Chaidari (Stadtteil Athens) in Lauterecken an.

Thematisch knüpfte man an die im Frühjahr in Griechenland behandelten Inhalte an und widmete sich der Fortführung der gemeinsamen Auseinandersetzung mit der deutsch-griechischen Erinnerungskultur, diesmal mit Blick auf Orte deutscher Geschichte in der Pfalz und in Rheinland-Pfalz.

Am Montag, dem 03. November, kamen die griechischen Schülerinnen und Schüler spät am Abend nach ihrer Anreise in Staudernheim an, wo sie herzlich von ihren deutschen Austauschpartnerinnen und -partnern empfangen wurden. Nach einer kurzen Begrüßung am Bahnhof ging es in die Gastfamilien, in denen die Jugendlichen die kommenden Tage verbringen sollten. Schon am ersten Abend ergaben sich viele Gespräche und erste Einblicke in den deutschen Alltag, wodurch die bereits in Griechenland entstandenen Freundschaften weiter vertieft wurden.

Der Dienstag (04. November) stand ganz im Zeichen des Kennenlernens der Schule. Nach einem kleinen Spiel zur ersten Auflockerung führten Schülerinnen und Schüler der MSS 13 die Gäste durch das Veldenz Gymnasium und stellten die Besonderheiten und Räumlichkeiten der Schule vor. Im Anschluss besuchten die griechischen Schülerinnen und Schüler einzelne Unterrichtsstunden, um einen authentischen Eindruck des deutschen Schulsystems zu gewinnen. Dabei bot sich reichlich Gelegenheit zum Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Schulsystemen beider Länder.

Am Mittwoch, dem 05. November, stand eine Exkursion nach Bad Bergzabern und Kleinfeld auf dem Programm, die einen thematischen Schwerpunkt der Mobilität aufgriff: die Aufarbeitung der NS-Zeit und das Erinnern an den Zweiten Weltkrieg. Im Westwallmuseum Bad Bergzabern, das in einer originalen Bunkeranlage untergebracht ist, erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine eindrucksvolle Führung. Die Ausstellung verdeutlichte, wie der Westwall als militärische Verteidigungslinie der Nationalsozialisten aufgebaut und propagandistisch instrumentalisiert wurde. In den engen Gängen und Räumen des Bunkers konnten die Jugendlichen die beklemmende Atmosphäre spüren. Besonders die historischen Exponate – von Waffen und Uniformen bis hin zu persönlichen Gegenständen der Soldaten – machten deutlich, dass der Westwall nicht nur ein technisches, sondern auch ein menschliches Kapitel der Geschichte darstellt. Die Führung stellte zudem Bezüge zu den Ereignissen in Griechenland her, indem der Guide aufzeigte, dass auch in Griechenland ähnliche Strukturen (Metaxas-Linie) existieren und vieles dort ähnlich aufgebaut war. Im Anschluss besuchten die Gruppen den kleinen Ort Kleinfeld, wo eine kurze Wanderung entlang des ehemaligen Westwalls stattfand. Dabei wurde sichtbar, wie die Reste dieser militärischen Anlage heute Teil der Landschaft geworden sind – und doch Mahnmal geblieben sind. Diese Exkursion bot einen intensiven Rahmen, um über Krieg, Erinnerung und Verantwortung zu reflektieren.

Der Donnerstag (06. November) führte die Gruppe nach Mainz, wo die Stadtgeschichte im Mittelpunkt stand. In kleinen Vorträgen, die von den deutschen Schülerinnen und Schülern vorbereitet worden waren, wurden die wichtigsten historischen Epochen und Sehenswürdigkeiten der Stadt vorgestellt – von den römischen Ursprüngen über das Mittelalter bis hin zur Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegsjahre. Stationen waren unter anderem der Mainzer Dom, das Gutenberg-Museum und das Deutschhaus, der Sitz des rheinland-pfälzischen Landtags. Die griechischen Gäste zeigten großes Interesse an der Verbindung zwischen lokaler und nationaler Geschichte und genossen den Aufenthalt in Mainz sichtlich – auch bei der anschließenden Freizeit im Stadtzentrum.

Am Freitag, dem 07. November, widmeten sich die Schülerinnen und Schüler der Projektarbeit. In gemischten deutsch-griechischen Gruppen reflektierten sie die Eindrücke der beiden Exkursionstage und erarbeiteten Präsentationen sowie Poster, in denen sie die Themen Krieg, Erinnerungskultur, Aufarbeitung und Versöhnung aus ihrer Sicht zusammenführten. Die Ergebnisse der Projektarbeit wurden am Nachmittag vorgestellt und bildeten den inhaltlichen Abschluss der Mobilität. Am Abend kamen alle Beteiligten – deutsche und griechische Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte – zu einem gemeinsamen griechischen Abendessen zusammen, das den kulturellen und persönlichen Austausch noch einmal in den Mittelpunkt rückte. In einer herzlichen Atmosphäre wurde gegessen, gelacht und auf die erfolgreiche gemeinsame Woche zurückgeblickt.

Am Samstag, dem 08. November, hieß es schließlich Abschied nehmen. Nach einem emotionalen Morgen und vielen Umarmungen traten die griechischen Schülerinnen und Schüler die Rückreise nach Athen an. Der Abschied fiel allen Beteiligten schwer, denn die gemeinsame Zeit hatte viele neue Freundschaften entstehen lassen und das gegenseitige Verständnis zwischen den Jugendlichen beider Länder weiter vertieft.

Die Mobilität hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig und wertvoll europäische Bildungsprogramme wie Erasmus+ sind, um junge Menschen in einen lebendigen Dialog über Geschichte, Erinnerung und gemeinsame Verantwortung zu bringen. Durch die unmittelbare Auseinandersetzung mit historischen Orten in Deutschland wurde das Bewusstsein dafür geschärft, dass Aufarbeitung und Gedenken keine nationalen, sondern europäische Aufgaben sind. Gleichzeitig bot die Woche Raum für persönliche Begegnungen, kulturellen Austausch und gegenseitiges Lernen – Grundlagen für eine Verständigung, die über den schulischen Rahmen hinauswirkt. Aus diesem Grund möchten wir uns bei Erasmus+ sowie dem Deutsch-Griechischen Jugendwerk bedanken, ohne Förderung dieser Austausch nicht hätte stattfinden können!

Pascal Pick