„Mephisto“ spielt in der Zeit von 1926-1936 und zeigt die Beeinflussbarkeit sowie den persönlichen Wandel des Hauptcharakters des Stücks, Heinz „Hendrik“ Höfgen, ein Schauspieler dessen Erfolg für ihn an erster Stelle steht. Darunter leidet seine Persönlichkeit, welche ohnehin durch sein konfuses Liebesleben, dass von seiner Zuneigung zu Juliette, seiner dominanten jüdischen Tanzlehrerin, und Barbara Bruckner, einer einflussreichen Frau aus künstlerischen Kreisen, zerrissen wird. Zu Beginn plant Höfgen gemeinsam mit seinem kommunistischen Freund Otto Ulrichs die Entstehung des „revolutionären Theaters“, um den Menschen mithilfe ihrer schauspielerischen Künste vom sich anbahnenden Rechtsruck zu sensibilisieren und die kommunistische Gegenbewegung zu stärken. Gegenwind sowie Konfliktpotenzial liefert der Charakter Hans Miklas, ein bekennendes NSDAP Mitglied. Der Intendant des Hamburger Künstlertheaters Oskar H. Kroge fungiert als Schlichter, er selbst fokussiert sich einzig auf den Erfolg des Theaters, möchte dies aber mit möglichst „traditionellen“ Stücken erreichen – ganz ohne Revolution. Die Spannungen verstärken sich mit der Zeit, für Höfgen ist sein persönlicher Erfolg erkenntlich wertvoller als seine politische Einstellung, was zum Streit mit Otto führt. Aber auch Hans Miklas stört ihn, weswegen er den Intendanten die Wahl zwischen ihm und Hans Miklas stellt, die aufgrund seiner Berühmtheit auf ihn entfällt. Nachdem er in Cäsar von Mucks neuem Stück die Hauptrolle spielt und sichtlich brilliert, wechselt er gen Berlin, um dort seinen deutschlandweiten Durchbruch mit der Rolle als Mephisto in Goethes „Faust“ zu erlangen. Mittlerweile ist es 1933, die NSDAP ergreift die Macht in Deutschland und vieles ändert sich. Höfgen trifft zufällig seinen alten Ankleider Böck, der aufgrund seiner Homosexualität aus dem Theater Hamburg ausgeschlossen wurde, fortan leben sie gemeinsam und reisen auch gen Madrid, wo Höfgen für einen Film-Dreh engagiert wurde. Die neue Machtsituation bereitet den beiden Sorgen, aber für Höfgen öffnet sich durch eine weitere alte Bekannte, Angelika Siebert, die Tür in das Machtgefüge der Nationalsozialisten. Er spielt gemeinsam mit Lotte Lindental, die begeistert von seinem Können ist, wenige Stücke und kann sie und ihren Mann, den Ministerpräsidenten, so überzeugen, dass er ihm den Posten des Intendanten des preußischen Staatstheaters in Berlin vermacht. Er verpflichtet sich der Propaganda des Dritten Reichs und betrachtet die miserable Situation seiner Weggefährten als nebensächlich. Selbst dem Nationalsozialisten Hans Miklas wurde es zu extrem. Er trat aus der Partei aus und starb wenig später an einem „Unfall“. Otto wurde verhaftet und seine Geliebte Juliette und seine Ehefrau Barbara mussten fliehen.
Das Stück des Autors Klaus Mann, welches er im Exil verfasste, verdeutlicht eindringlich, wie der Nationalsozialismus die Wege in die Massen fand. Manche wie Höfgen träumen von einem monumentalen Aufstieg und opfern dafür Moral, Ethik und ihre eigene ursprüngliche Persönlichkeit. Eindringlich mahnend wirkte auch der Einsatz des Kinderchors des Staatstheaters, der parallel zu einschneidenden Szenen im Hitlerjugend-Outfit oder später mit Mephisto-Verkleidung ihre Stimmen erklingen ließen und mehrere Gänsehautmomente mithilfe des parallel angeworfenen Bildmaterials sowie des fortwährenden Schauspiels erzeugten. Generell war es eine vollumfänglich gelungene Inszenierung, die von modernster Relevanz nur so strotzen kann und sich den tosenden Applaus am Ende der 105-minütigen Vorstellung redlich verdiente.
Nachdem das Stück dann zu Ende war und die Heimreise bevorstand, wurde noch wie im vergangenen Jahr ein Bild von der gesamten Gruppe. Danach traten wir dann die von vielen lang ersehnte Heimreise an, welche dann gegen 23Uhr in Lauterecken enden.
Finn Hentzel, MSS 12
