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Aktuelles aus dem VGL

Zwischen den Welten – und doch zusammen

Deutsch-tschechische Spurensuche in Holice, Prag und Pardubice: Erasmus+-Gruppenmobilität des Veldenz-Gymnasiums Lauterecken zum Gymnázium Dr. Emila Holuba in Holice (Tschechien) vom 20. bis 25. September 2026

Wie eng sind Deutschland und Tschechien eigentlich miteinander verbunden – gestern, heute und morgen? Dieser Frage sind Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 des Veldenz-Gymnasiums Lauterecken eine Woche lang gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern vom Gymnázium Dr. Emila Holuba in Holice nachgegangen. Unter dem Titel „Deutsch-tschechische Beziehungen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart“ wurde aus einem Schüleraustausch ein intensives binationales Geschichtsprojekt – gefördert durch das Erasmus+-Programm der Europäischen Union im Rahmen des Erasmus+-Konsortiums der ADD Rheinland-Pfalz.

Ein Wiedersehen unter Freunden

Fremde waren sich die Jugendlichen nicht: Bereits im März 2026 hatte die tschechische Gruppe Lauterecken besucht und dort erste Aspekte der gemeinsamen Geschichte mit Schwerpunkt auf der Zeit des Nationalsozialismus erarbeitet. Entsprechend herzlich fiel das Wiedersehen aus, als die deutsche Gruppe am Montagmorgen nach einer langen Nachtfahrt in Holice ankam. Müdigkeit? Schnell vergessen. Nach der Begrüßung, ersten Einblicken in den Schulalltag sowie Besonderheiten der tschechischen Partnerschule und einer ersten Stärkung mit den mitgebrachten tschechischen Speisen führten die tschechischen Schülerinnen und Schüler ihre Gäste selbst durch ihre Schule. Ein Gespräch mit der Schulleitung rundete den ersten Tag ab und zeigte, wie viel Wert beide Schulen auf diese Partnerschaft legen.

Schule mal anders: Leben und Lernen im Nachbarland

Am Dienstagvormittag hieß es: ab in den Unterricht. Die deutschen Gäste saßen gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern in den Klassenräumen und erlebten den tschechischen Schulalltag aus erster Hand. In deutsch-tschechischen Partnerinterviews verglichen die Jugendlichen anschließend ihre Schulsysteme: Wie läuft ein normaler Schultag ab? Welche Fächer gibt es? Wie unterscheiden sich Abitur und Maturita? Und welche Pläne haben wir eigentlich nach der Schule? Dabei zeigte sich schnell, dass hinter den Unterschieden in Stundenplänen und Prüfungsordnungen sehr ähnliche Hoffnungen, Sorgen und Zukunftsfragen stehen – eine Erkenntnis, die sich durch die ganze Woche ziehen sollte.

Ein Afrikaforscher aus der Kleinstadt

Am Nachmittag stand die Geschichte der Gastgeberstadt im Mittelpunkt. Im Museum Dr. Emil Holub lernten die Teams den berühmtesten Sohn der Stadt kennen: den Arzt und Afrikaforscher, nach dem auch die Partnerschule benannt ist. Bei einer anschließenden Stadtführung erkundeten die binationalen Gruppen Holice. So wurde aus einer Besichtigung eine echte Spurensuche – und aus der „Stadt der Partnerschule“ ein Ort mit eigener Geschichte.

Kafka – zwischen Sprachen, Kulturen und Zeiten

Ein besonderer Höhepunkt der Woche war der Mittwoch in Prag. Kaum eine Person verkörpert die deutsch-tschechische Verflechtung so sehr wie Franz Kafka: ein deutschsprachiger jüdischer Schriftsteller in einer mehrheitlich tschechischsprachigen Stadt, der sich oft „zwischen den Welten“ fühlte. Hier wurden die Schülerinnen und Schüler selbst zu Expertinnen / Experten, da sich alle bereits mit Kafka im Rahmen des Deutschunterrichts auseinandergesetzt hatten.

Im Kafka-Museum standen verschiedene Fragen im Fokus: Welche Rolle spielten Sprache, Religion und Herkunft? Warum wirken Motive wie Entfremdung und Schuld bis heute so aktuell? Anschließend machten sich die Teams auf einen literarischen Spaziergang durch das Prag Kafkas, dokumentierten ihre Eindrücke fotografisch und fragten sich: Wie erinnert eine Stadt an einen Menschen, der ihr so zwiespältig verbunden war – und welche Bedeutung haben solche Erinnerungsorte für Europa?

Geschichte, die unter die Haut geht

Der Donnerstag in Pardubice führte die Gruppe noch tiefer in die wechselvolle gemeinsame Geschichte. In der Ausstellung von Memory of Nations (Paměť národa) begegneten die Jugendlichen den Lebensgeschichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, deren Biografien von Besatzung, Krieg und Diktatur geprägt sind. Geschichte bekam hier Gesichter und Stimmen, wobei besonders die interaktiv-multimediale Gestaltung des Museums überzeugte. Beim Besuch eines Bunkers aus dem Kalten Weltkrieg konnte aus erster Hand die Erfahrung der atomaren Bedrohung zu dieser Zeit nachempfunden werden.

Was bleibt

Am Freitag kehrten alle noch einmal an die Partnerschule zurück. In binationalen Teams wurden die Ergebnisse der Woche gebündelt und in verschiedensten Formen präsentiert. In der Abschlussreflexion wurde deutlich, dass die Jugendlichen weit mehr mitnehmen als historisches Wissen: die Erfahrung, dass Erinnerungsarbeit über Grenzen hinweg verbindet statt trennt, das Selbstvertrauen, sich auf Englisch über komplexe Themen auszutauschen, und Freundschaften, die längst über ein Schulprojekt hinausgehen. Nach einem gemeinsamen Abschluss trat die Gruppe die Heimreise an – mit vielen Eindrücken und dem festen Vorsatz, in Kontakt zu bleiben.

Erasmus+ macht’s möglich

Die Gruppenmobilität wurde durch das Erasmus+-Programm der Europäischen Union gefördert und im Rahmen des Erasmus+-Konsortiums der ADD Rheinland-Pfalz durchgeführt. Sie verbindet zentrale Schwerpunkte des Erasmus-Plans des Konsortiums: projektorientierten Austausch und die Internationalisierung der Schule, Erinnerungsarbeit, interkulturelle Kompetenz sowie politische Bildung und demokratische Teilhabe. Unser herzlicher Dank gilt dem Gymnázium Dr. Emila Holuba in Holice für die großartige Gastfreundschaft und die hervorragende Zusammenarbeit – und allen Schülerinnen und Schülern, die diese Woche mit Neugier, Offenheit und Engagement gefüllt haben.

Pascal Pick